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    2. September 2026Jochen Meyer

    Migration Von VMware zu ProxMox

    Digitale Souveränitätxworks.365ProduktOpen SourceBusiness Continuity

    Digitale Souveränität beginnt unterhalb der Anwendung

    Microsoft Windows ist in vielen europäischen IT-Landschaften allgegenwärtig. VMware war es lange Zeit ebenfalls – als zuverlässige, beinahe unsichtbare Grundlage für virtualisierte Systeme im Rechenzentrum und On-Premises. So auch bei uns.

    VMware lief. Und zwar hervorragend.

    „Wir haben uns vorher nie Gedanken gemacht oder nach Alternativen gesucht“, sagt Jochen Meyer. „VMware war einfach ein Stück Infrastruktur, das hervorragend lief.“ Das war keine Gedankenlosigkeit, sondern pragmatische Erfahrung. VMware bot über Jahre einen ausgereiften Funktionsumfang bei stimmigem Preis-Leistungs-Verhältnis.

    Unsere Dell-PowerEdge-Server, iDRAC, OpenManage und die VMware-Landschaft passten sauber zusammen. Dell-Hardware begleitet uns seit zwei Jahrzehnten – in vielen Projekten war diese Kombination verlässlich und professionell.

    Historisch muss man dabei sauber bleiben: VMware war nicht „ein Dell-Produkt“. Dell wurde nach der EMC-Übernahme zeitweise Mehrheitsaktionär von VMware; VMware wurde Ende 2021 wieder als eigenständiges Unternehmen abgespalten. Broadcom übernahm VMware schließlich am 22. November 2023.

    Seitdem hat sich für viele Kunden die Ausgangslage verändert. Neue Lizenzmodelle, die Umstellung auf Subskriptionen und eine deutlich stärker auf Großkunden ausgerichtete Vertriebsstruktur haben die Kostenrechnung vieler mittelständischer Installationen auf den Kopf gestellt. Berichte über Preissteigerungen um ein Mehrfaches und die Ausdünnung bisheriger Partnerstrukturen sind keine Einzelfälle.

    Für uns war das der Punkt, an dem aus einer bequemen Wahlfreiheit ein Handlungsauftrag wurde. Was passiert, wenn sich Lizenzkosten bei der Verlängerung vervierfachen? Was, wenn zentrale Infrastruktur aus Übersee plötzlich wirtschaftlich oder politisch unter Druck gerät? Und wie schnell können wir dann wechseln? Digitale Souveränität beginnt eben nicht erst bei Mail, Office oder Cloud-Speicher. Sie beginnt bereits auf der Virtualisierungsebene.

    Ein Wechsel mit Augenmaß

    Proxmox VE hatte sich längst als ernstzunehmende Alternative etabliert: Open Source, KVM für virtuelle Maschinen, LXC für Container, Cluster- und Hochverfügbarkeitsfunktionen sowie kommerzielle Subskriptionen und ein Partnernetzwerk für professionellen Betrieb und Support.

    Open-Source Server Virtualization Platform

    Vor uns lag allerdings keine Laborumgebung. Bei einem Kunden betrieben wir rund 800 virtuelle Maschinen einschließlich Testsystemen in einer hochverfügbaren, regional verteilten Architektur. Ein spontaner Plattformwechsel kam daher nicht infrage. Wir haben uns rund anderthalb Jahre Zeit für Vorbereitung, Prototypen und Schulungen genommen. Im Januar 2026 begann dann die eigentliche Migration – ein Projekt, das unser gesamtes DevOps-Team über sechs Monate intensiv beschäftigte.

    Unser Ziel war kein großer Umschaltmoment, sondern ein kontrollierter Umzug bei laufendem Betrieb. Dafür entstanden in zwei Regionen jeweils zwei unabhängige Zonen: vier identische Zonen, bewusst so konzipiert, dass Updates, Hardwaretausch und Kapazitätserweiterungen flexibel möglich bleiben.

    Nach dem Prinzip der „Türme von Hanoi“ bauten wir zunächst mit vorhandener Spare-Hardware die neue Umgebung auf. Jede Zone erhielt redundante Top-of-Rack-Anbindungen und eine eigene Firewall. Anschließend stellten wir die ersten Systeme vollständig neu bereit und provisionierten sie automatisiert auf Proxmox VE.

    Die ersten produktiven Maschinen liefen parallel zur VMware-Umgebung stabil. Das war der entscheidende Vertrauensbeweis. Danach ging es Stack für Stack weiter: Workloads neu aufsetzen, automatisieren, testen und in den Betrieb überführen. Mit jeder Woche verringerte sich die Last im alten VMware-Cluster. Einfach war das nicht, denn dort lief ein großes vSAN über sämtliche Hosts. Jede ausgemusterte Maschine erforderte daher sorgfältige manuelle Deprovisionierung der zugehörigen Storage-Ressourcen.

    Die frei werdende Hardware wurde nicht einfach umgezogen, sondern überarbeitet und gezielt für die neue Plattform vorbereitet. Neben SSDs setzen wir heute je Host auch eigene NVMe-Storage-Ressourcen für besonders I/O-intensive Payloads ein. Ende Juni waren die letzten Systeme migriert, der alte VMware-Cluster vollständig geleert und abgeschaltet.

    Nicht nur migriert, sondern aufgeräumt

    Der größte Gewinn dieser Migration war nicht allein der neue Hypervisor. Wer über Jahre eine Plattform betreibt, baut zwangsläufig Provisorien ein. Kleine Sonderregeln, historische Abhängigkeiten und pragmatische Pflaster, die in der Summe irgendwann schwerer wiegen als gedacht. Der Umzug war deshalb zugleich eine Gelegenheit, sechs Jahre Betriebserfahrung in eine klarere Architektur zu übersetzen.

    Jann Schulte bringt es auf den Punkt: „Wir haben unseren Keller vollständig ausgeräumt, alles bewertet und nur das weiterverwendet, was wir wirklich brauchen. Was jetzt auf Proxmox läuft, läuft besser als vorher.“

    Natürlich ist nicht alles identisch. Das Balancieren von Last zwischen vier unabhängigen Zonen verlangt mehr eigene Aufmerksamkeit als zuvor. In unserer Architektur ist das jedoch beherrschbar, weil die Zonen DNS-basiert ohnehin gleichartig verteilt werden.

    Heute besteht unser Proxmox-Cluster aus 20 physischen Hosts – fünf in jeder der vier Zonen. Das ist kein Selbstläufer. Wer von VMware zu Proxmox VE wechselt, sollte bereit sein, mehr eigenes Infrastrukturwissen und Pflege in den Betrieb zu investieren. Dafür gewinnt man Transparenz, Gestaltungsspielraum und eine deutlich geringere Abhängigkeit von den Entscheidungen eines einzelnen Herstellers.

    „Der Austausch des Motors bei laufender Fahrt war für uns ein spannendes Projekt und eine perfekte Teamleistung“, sagt Jochen Meyer. „Ich bin stolz auf das Ergebnis und freue mich mit dem DevOps-Team über diese grandiose Leistung.“

    Unser Fazit

    Proxmox VE ist nicht einfach ein günstiger VMware-Ersatz. Richtig geplant, ist die Migration eine Chance, die eigene Infrastruktur neu zu denken – und digitale Souveränität ganz praktisch zu machen.